Martin Friedel

Standard- vs. Individualsoftware in 2026

Ich mache seit 24 Jahren Softwareentwicklung mit einer eigenen Firma. In dieser Zeit habe ich viel erlebt: neue Frameworks, neue Programmiersprachen, Browser die heute können was früher Flash brauchte. Aber die größte Revolution dieser ganzen Jahre ist zweifelsohne das, was KI gerade in unser Business bringt.

Software entsteht heute 5- bis 10-mal schneller

Was Anfang 2025 noch erste Gehversuche waren, hat sich rasant entwickelt. Ganze Projektteile oder sogar komplette Projekte sind heute innerhalb von Wochen umsetzbar - Projekte, die uns früher Monate oder Jahre gekostet hätten. Das ist keine theoretische Zukunftsmusik. Das passiert jetzt, jeden Tag, in unserer täglichen Arbeit.

Die klassische Make-or-Buy-Entscheidung

Wenn ein Kunde zu uns kommt und sagt “Ich habe folgende Probleme und möchte diese lösen”, dann war unser Ansatz immer: Zuerst schauen wir, ob es eine Standardsoftware gibt, die diese Prozesse gut abbilden kann. Erst wenn das nicht der Fall ist, entwickeln wir eine individuelle Lösung. Das halten wir nach wie vor für ein gutes Vorgehen.

Aber die Rechnung dahinter hat sich massiv verschoben.

Standardsoftware für das Langweilige, Individualsoftware für das Wichtige

Bisher galt: Standardsoftware ist eine gute Wahl für (eher langweilige) Standardprozesse in einem Unternehmen. Aber für die wichtigsten Prozesse - dort, wo der eigentliche Wert des Unternehmens entsteht - haben wir immer für eine individuelle Lösung plädiert. Denn genau dort liegt der Marktvorteil, den man verstärken sollte, statt ihn in einen Standardprozess zu pressen.

Das Problem: Individualsoftware war teuer und dauerte seine Zeit. Also blieb vielen Mittelständlern nichts anderes übrig, als sich mit Standardlösungen zu arrangieren - auch dort, wo sie eigentlich nicht passten.

Standardsoftware ist auch kein Schnäppchen

Kleinere Lösungen kosten ein paar hundert Euro im Monat. Aber ERP-Systeme schlagen gerne mit ein paar tausend Euro monatlich zu Buche. Und dann kommen noch die versteckten Kosten:

  • Anpassungen sind teuer. Den Standard nehmen und um die Funktionen erweitern, die mein Unternehmen wirklich braucht? Das kostet richtig Geld.
  • Updates werden zum Problem. Bei vielen ERP-Systemen bedeutet jedes Hersteller-Update, dass auch die individuellen Anpassungen wieder angefasst werden müssen. Auch das ist nicht günstig.
  • 75% werden nicht genutzt. Standardsoftware muss vielen Kunden das Richtige bieten. Das bedeutet aber: Jedes einzelne Unternehmen nutzt oft nur einen Bruchteil des Funktionsumfangs. Der Rest ist Ballast.

Der Burggraben schwindet

Große Softwarelösungen hatten bisher einen enormen Vorsprung: Jahrelange Entwicklung, die im Prinzip nicht einzuholen war. Aber genau dieser “Burggraben” schrumpft nun.

Wir erleben es bei unseren Kunden tagtäglich. Wir schauen uns ihre eingekaufte Software an und stellen fest: Erstens ist sie oft selbst schon veraltet. Sie mag zwar Jahre der Entwicklungszeit voraus haben, ist aber oft auch im gleichen Maße in die Jahre gekommen. Zweitens nutzt das Unternehmen nur einen kleinen Teil davon - und der tut nicht einmal genau das, was die tatsächlichen Anforderungen sind. Und drittens: In den meisten Standardlösungen ist KI gar nicht angedacht oder nur rudimentär angedockt. Es gibt wenig bis keine Automatisierung und die KI kann nicht sauber Schritte übernehmen und selbst steuern.

Was sich für den Mittelstand ändert

Wir leben jetzt in einer Welt, in der das, was früher Konzernen vorbehalten war - große individuelle Softwarelösungen - plötzlich erschwinglich wird. Auch für den Mittelstand. Die höhere Geschwindigkeit drückt nicht nur den Preis. Sie verändert die ganze Arbeitsweise:

  • Projekte dauern Monate statt Jahre. Man spürt die Auswirkungen viel schneller in der Praxis.
  • Experimente werden bezahlbar. Mittelständische Unternehmen mussten überlegen, ob sie 100.000 € investieren, um auszuprobieren, ob ein Ansatz funktioniert - und dann nochmal 100.000 € für den nächsten Versuch. Aber kleinere Experimente für 5.000 €? Die kann man machen, verwerfen und neu ansetzen. Auch im Mittelstand.
  • Die Software passt am Ende besser. Mehr Iterationen bedeuten: Das Ergebnis bildet genau ab, was im Unternehmen gebraucht wird. Nicht was vor anderthalb Jahren mal geplant wurde.

Kein Entweder-oder, aber eine klare Verschiebung

Das soll nicht heißen, dass Standardsoftware ausgedient hat. Es gibt nach wie vor gute Unternehmenssoftware da draußen, die komplexe Dinge abbildet, die man nicht neu programmieren sollte. Die Strategie einer Mischung bleibt relevant.

Aber die Waagschale hat sich verschoben. Deutlich. Immer mehr Mittelständler können es sich jetzt leisten, ihre wichtigsten Prozesse individuell entwickeln zu lassen - statt sie in eine Standardlösung zu pressen.

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