"Mobile Internet" - Ein Interview mit Ingolf Christian Ernst im Blog von slipstreamer.de

Die Kollegen von slipstreamer Marketing haben mich für ihre Blog-Reihe "Slipstreamer-Talk Reality Check" zum Thema "Mobile Internet" befragt. Das möchte ich ihnen natürlich nicht vorenthalten. Sie finden das Interview in voller Länge auf blog.slipstreamer.de und zum schnelleren Lesen auch hier:

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SLIPSTREAMER TALK - REALITY-CHECK MIT INGOLF CHRISTIAN ERNST VON QUBIDU ZUM THEMA “MOBILE INTERNET”

Manchmal lohnt ein Blick zurück. Im November 1994 stellte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates seine Vision von der Zukunft vor. “Information at Your Fingertips 2005″ lautete der Titel seiner Keynote auf der damaligen Computermesse Comdex in Las Vegas.

19 Jahre später ist diese Vision fast Realität geworden. Die mobile Nutzung des Internet wächst rasant. Einer aktuellen Studie der Initiative D21 zufolge gehen bereits heute mehr als die Hälfte der Onliner mobil online - Tendenz stark steigend. Und das, obwohl die mobile Dateninfrastruktur noch längst nicht lückenlos auf einem akzeptablen Niveau ist.

Guter Stoff für ein Interview mit einem Spezialisten auf dem Gebiet des Mobile Marketing.

Ingolf Christian Ernst hat mit seiner Firma in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche innovative Online Marketing Projekte realisiert und die Entwicklung zur mobilen Nutzung von Onlineauftritten hautnah erlebt. Als Mitgründer und Geschäftsführer der Qubidu GmbH bietet er Leistungen für die Realisierung von intelligenten Onlinekonzepten an, die den speziellen Anforderungen der mobilen Nutzung von Inhalten gerecht werden.

Ingolf, das mobile Internet wird bereits als Zweite Internetrevolution beschrieben. Wo siehst Du die großen Herausforderungen?

Als Nutzer möchte ich möglichst alle Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort erreichen können. Mein Smartphone ist dabei mittlerweile das für mich wichtigste Gerät geworden, um Informationen zu suchen und zu konsumieren. Während vielerorts noch von Second Screen gesprochen wird und man damit die gleichzeitige Nutzung eines zweiten Geräts beim TV-Konsum meint, gehen viele Experten sogar weiter und stellen fest, dass das Smartphone sich klar zum First Screen entwickelt und andere Medien an die zweite Stelle verdrängt.

Dementsprechend ist eine der großen Herausforderungen die geräte- und kontextangepasste Präsentation der Inhalte. Das bedeutet, dass Inhalte am Smartphone so präsentiert werden müssen, dass jeder Nutzer ein positives Nutzenerlebnis hat, egal ob er zu Hause auf der Couch parallel zum TV, in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder am POS bei der schnellen Informationsbeschaffung mobile Inhalte abruft.

Dafür ist es notwendig, dass Unternehmen die mobile Nutzung als einen eigenen Informationskanal begreifen und nicht einfach nur die bestehenden Webseiteninhalte in etwas anderer Darstellung an Smartphones ausliefern. Die Inhaltearchitektur und Präsentation muss kanal- und kontextspezifisch neu gedacht werden, um eine optimale Userexperience zu gewährleisten. Ich möchte sogar so weit gehen zu behaupten, dass auch mobile Seiten und mobile Apps als unterschiedliche Kanäle wahrgenommen werden müssen.

Eine weitere wichtige Herausforderung ist das Verständnis darüber, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte gibt, mit denen die Nutzer auf meine Inhalte zugreifen und dass auch die Zugriffsgeschwindigkeit extrem stark variiert. Außerdem gibt es Umstände (z.B. Auslandsaufenthalte mit Roaming), wo ein Nutzer Kosten-Nachteile in Kauf nehmen muss, wenn er Inhalte konsumiert, die viel Ladevolumen erfordern. Selbst ohne Auslandsroaming gibt es mittlerweile immer mehr Nutzer, die nicht bis zum Ende des Abrechnungsmonats mit ihrem gebuchten Datenvolumen auskommen und die letzten Tage/Wochen mit unterirdischer Geschwindigkeit mobil surfen.

Was sind denn die Charakteristika, die ein positives Nutzenerlebnis für den mobilen Internet Content-Nutzer ausmachen?

Grundsätzlich gibt die mobile Nutzung schon einmal eine hohe persönliche Freiheit. Ich kann immer und überall Informationen recherchieren, bin permanent mit meinen Freunden in Kontakt und kann eigentlich auch von überall ganz flexibel arbeiten (wenn mein Beruf es erlaubt). Wie es allerdings immer mit neu gewonnener Freiheit ist: Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Das heisst, dass Unternehmen gefordert sind, diese mobile Nutzung auf ihren Webseiten und Angeboten ideal zu unterstützen und auch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das was gestern noch besonders war ist heute schon normal und morgen langweilig.

Neben der schon erwähnten optimalen Darstellung und der einfachen Bedienkonzepte für die Nutzung mobiler Inhalte auf einer mobilen Webseite, oder auch innerhalb einer App sind die einfache Auffindbarkeit und der schnelle Zugriff ganz wichtige Charakteristika für eine positives Nutzenerlebnis.

Eine mobile Seite muss so aufbereitet sein, dass Suchmaschinen den Content einfach erkennen und bewerten können und mobilen Suchenden auch direkt den Link auf die mobilen Inhalte liefern (sofern es sich nicht sowieso um die gleiche Seite handelt). Für eine mobile Seite ist es wichtig, dass sie sehr schnell geladen wird. Und wie bereits erläutert, dass auch bei unterschiedlichen und schlechten Netzverbindungen. Eine mobile App kann zusätzlich zu einer mobile Seite weitere Möglichkeiten anbieten, die auch offline zur Verfügung stehen oder im mobilen Browser technisch nicht möglich sind. Dabei ist allerdings zu beachten, dass eine App erst einmal gefunden und installiert werden muss.

Sie sollte außerdem mindestens für iOS, Android und Windows Phone erstellt worden sein. Eine App kann außerdem nicht von Suchmaschinen analysiert werden, so dass sie immer nur zusätzlich zu einer mobilen Seite erstellt werden sollte.

Noch einmal zusammengefasst sind die wichtigen Charakteristika einer mobilen Seite für ein positives Nutzenerlebnis: eine angepasste Darstellung mit einer einfachen Bedienung am Smartphone, ein geringes Ladevolumen und sehr schnelle Ladezeiten auch unter schlechten Netzvoraussetzungen.

Welche Szenarien sieht Du heute auf Seiten der Inhalteanbieter?

Heutzutage sieht man häufig den Weg, dass Inhalteanbieter ihrer klassische Website durch einfaches Responsive Design mobilfähig machen und glauben, damit den Kanal optimal besetzt zu haben. Alternativ dazu gibt es auch die Unternehmen, die eine eigene App entwickeln und dort nur den Inhalt der klassischen Seite anzeigen und auch glauben, jetzt optimal für den Kanal mobile aufgestellt zu sein.

Beide Wege sind nicht wirklich zielführend. Eine einfache Responsive Design Website stellt alle Inhalte der Desktop-Seite in angepasster Form am Smartphone dar oder lässt einige wenige Elemente weg. Was auf den ersten Blick gut klingt, bedeutet aber, dass man keine wirklich gute Gewalt darüber hat, welche Inhalte in welcher Tiefe und Qualität am Smartphone angeboten werden. Außerdem ist das Navigationskonzept oftmals identisch zur klassischen Website.

Der oftmals größte Nachteil einfacher Responsive Design Webseiten ist allerdings das hohe Ladevolumen. In der Regel werden alle Elemente der Webseite (Programmcode, Bilder, etc.) vollständig und genauso groß an das Smartphone geliefert. Einem Desktop macht das nicht viel aus, aber eine 2-3 MB schwere Seite macht bei normaler bis schlechter Verbindung auf einem Telefon zu laden nicht wirklich Spaß.

Hier sollte man auf jeden Fall durch zusätzliche Server-seitige-Komponenten und durch intelligente Geräteerkennung sicherstellen, dass jedes Gerät auch nur den Programmcode und die Inhalte erhält, die es auch wirklich nutzt.

Ein weiterer Weg, den Unternehmen aktuell gehen ist die Verwendung einer separaten mobilen Webseite parallel zur bestehenden klassischen Webseite. Dieser Weg kann sowohl Vor-, als auch Nachteile haben.

Das hört sich sehr komplex in der Contentsteuerung und -pflege an. Welche Nachteile hat ein solch dedizierter Ansatz über verschiedene Plattformen für den Anbieter von Content?

Als erstes kommt einem sicherlich der höhere Pflegeaufwand in den Sinn. Wenn man allerdings betrachtet, welcher Aufwand entsteht, eine Webseite mit einem starren Content-Management-System fit für die optimale Bedienung verschiedener Kanäle zu machen, relativiert sich der Pflege-Aufwand und ein Spezialsystem für mobile Seiten kann möglicherweise zusätzlich auch Performancevorteile ausspielen.

Welcher Weg optimal für Suchmaschinen ist, kann man aktuell auch noch nicht konkret sagen. Es gibt zwar die Empfehlung von Google, dass sowohl Desktop, als auch mobile Inhalte unter einer URL erreichbar sein sollten, allerdings ist das nur mit hohem budgetärem Aufwand bei gleichzeitig guten Ladezeiten und gutem Nutzenerlebnis kombinierbar. Da die letzten beiden Punkte von Google allerdings in den vergangen Jahren für die Desktopsuche immer wichtiger geworden sind, bleibt die genaue und zukünftige Bewertung wohl eine Überraschung. Ich persönlich würde immer das perfekte Erlebnis für den Nutzer und dadurch die beste Conversion in den Vordergrund stellen.

Blick nach vorne: Online-Angebote werden in Zukunft über immer mehr Plattformen und Devices genutzt werden. Mit dem Smart-TV und den Wearable IP-Devices sind bereits zwei weitere Nutzungsfelder eröffnet, die berücksichtigt werden müssen. Wie sieht aus Deiner Sicht die optimale Lösung für die Zukunft aus?

Das beste Nutzenerlebnis vorausgesetzt, wäre es natürlich optimal, wenn man ein System nutzen kann, um jeden Kanal wirklich optimal zu bedienen und man möglichst wenig in Spezial- oder Insellösungen auslagern muss. Genau deshalb versuchen wir mit unserer eigenen Plattform Qubidu eine Lösung bereitzustellen, mit der auch bei kleineren Budgets eine optimale Darstellung und Ladezeit in den verschiedenen Kanälen Desktop, Tablet, Smartphone und SmartTV gewährleistet werden kann. Jeder Kanal kann auf Wunsch ein eigenes Design und Navigationskonzept erhalten und wird technisch ganz individuell bedient. Wir sind selber sehr gespannt, wo die Reise hingeht und welche innovativen Geräte und Inhalte auf uns zukommen.

Hast Du einen Beispiel aus der Praxis, das einer solchen Lösung nahe kommt?

Wir arbeiten derzeit an mehreren spannenden Kundenprojekten, um die neuen Möglichkeiten unserer Plattform auszuschöpfen. Hierzu dann gern in Kürze mehr. Ingolf, vielen Dank für das Gespräch.

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